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โWir kommen keinen Schritt vorwรคrtsโ, so das enttรคuschte Fazit von Landrat Peter Dreier in Bezug auf die Suche nach einem Atom-Endlager in der Bundesrepublik โ denn anstatt lรถsungsorientiert nach einem Endlager zu suchen, rรผcken die Fristen und Meilensteine in weite Ferne: Wie eine Studie im Auftrag des Bundesamtes fรผr die Sicherheit der nuklearen Entsorgung ergeben hat, wird frรผhestens 2074 der Standort fรผr ein Atommรผllendlager in Deutschland ermittelt sein โ also Jahrzehnte nach dem ursprรผnglich angedachten Ziel im Jahr 2031, wobei zwischenzeitlich bereits auf 2046 und 2068 verlรคngert wurde.
Dreier sieht nach wie vor Bundeskanzler Olaf Scholz in der Pflicht, โdiese Bedenken nicht nur als regionale Befindlichkeit anzusehen, sondern deren bundespolitische Bedeutung anerkennen und nachverfolgen.โ Es sei hรถchste Zeit fรผr eine klare Entscheidung seinerseits, was ihm das Grundgesetz auf Basis der Richtlinienkompetenz durchaus einrรคume, erklรคrt der Landshuter Landrat.
Er plรคdiert deshalb seit lรคngerem dafรผr, die bisher 16 Zwischenlager zu einem zu vereinigen. Der Standort fรผr ihn ist klar: Gorleben. Denn dort wurde bereits in einer Milliarden-Investition eine Pilotkonditionierungsanlage errichtet, eine so genannte โheiรe Zelleโ, die die Reparatur beschรคdigter Castoren sicher ermรถglicht. Neben diesen technischen Gegebenheiten ist auch die Sicherheit ein Thema. Denn ein Standort sei deutlich leichter zu รผberwachen und zu schรผtzen als 16 verschiedene, verteilt im gesamten Bundesgebiet. โAngesichts der vielen Krisenherde der Welt dรผrfen wir die ohnehin begrenzten Kapazitรคten der Bundeswehr nicht noch weiter strapazieren und die รถffentliche Sicherheit gefรคhrdenโ, erklรคrt Dreier.
Die Genehmigung fรผr das Zwischenlager im niedersรคchsischen Gorleben lรคuft nach Angaben des Betreibers bis 2035, das Zwischenlager โBELLAโ in Niederaichbach ist bis 2047 genehmigt. โHรถchste Zeit, die Verlรคngerung Gorlebens zu beantragen und die beste Gelegenheit, diese gleich auf alle vorhandenen 1 900 Castoren aufzustockenโ, so die Meinung des Landshuter Landrates, auch angesichts der Dauer und der Trรคgheit der Verfahren โ vom eigentlichen Ziel, den Atommรผll in einem Endlager sicher zu verwahren, ganz zu schweigen.
Selbst wenn der Standort des Atommรผllendlagers bis 2074 ermittelt sein sollte: Bis dieser ausgebaut und die Castoren dorthin verlagert worden sind, ist hรถchstwahrscheinlich bereits das 22. Jahrhundert weit fortgeschritten: โBis dahin verbleiben die ausgedienten Brennelemente in zwar fรผr viele Eventualitรคten gerรผstete, aber dennoch vorlรคufig errichteten Halleneinheiten, wie BELLA auf unserem ehemaligen Gelรคnde des Kernkraftwerkes Isar.โ Unverantwortlich in den Augen des Landrates, der deshalb den Bundeskanzler und seine zustรคndige Umweltministerin auffordert, diese Frage โnationaler Tragweiteโ nicht auszusitzen.